11 Fragen zum Rollenspiel – John Doe’s Blogstöckchen

John Doe hat mir ein Blogstöckchen (was für ein fürchterliches Wort!) überreicht. 11 Fragen hat er gestellt, 11 Antworten gibt’s von mir:

1. Hat Rollenspiel auf Cons einen besonderen Wert für dich? Wenn ja, welchen?

Besonderen Wert nicht. Wofür ich Con-Runden schätze ist die Möglichkeit, neue Systeme oder Settings auszuprobieren. Manchmal lernt man auch interessante Leute kennen oder lernt den einen oder anderen Trick. Egal ob für Spieler oder Spielleiter. Ansonsten entspricht aber das Con-Spiel nicht meinem Anspruch an das Rollenspiel. Ich nehme mir gerne viel Zeit für die Erschaffung von Setting und Charakteren und baue eine Kampagne um die Spielercharaktere herum. Dafür ist bei Con-Runden in den allermeisten Fällen keine Zeit.

2. Hat der Metaplot eines Settings (wenn es einen gibt) für dich einen nutzbaren Mehrwert?

Ich lese und verfolge den Metaplot zum Beispiel von Shadorun und früher auch von DSA ganz gerne. Aber für das Spiel selbst halte ich ihn sogar für störend. Er schränkt den Gestaltungsspielraum ein und schafft Unsicherheit, was denn nun in der eigenen Version der Spielwelt Kanon ist, und was nicht. Viel mehr Nutzen für mich hat eine spannende Geschichte oder Gegenwart. Als positives Beispiel nenne ich mal Degenesis. Das hat keinen Metaplot (vielleicht auch nur deshalb, weil kaum Bücher heraus kommen), aber einige sehr spannende Geheimnisse, über die man ausgiebig spekulieren kann. Teilweise werden diese für den Spielleiter aufgelöst, teilweise aber auch nicht. Der Spielleiter kann daher seine eigene Variante des Mysteriums entwickeln und mit seinen Spielern spielen ohne mit offiziellen Informationen in Konflikt zu geraten.

3. Lieber Poolsysteme (z.B. Shadowrun, World/Chronicles of Darkness) oder fest definierte Würfe (z.B. W20 bei D&D, 3W6 bei Fantasy Age)?

Ich liebe Shadowrun und halte es auch für ein recht gutes Regelwerk. Dennoch bevorzuge ich im Allgemeinen fest definierte Würfe. Einerseits sind diese statistisch leichter zu erfassen und daher ist bei solchen System die Chance besser, dass die Regeln bis zu Ende gedacht – und vor allem gerechnet – wurden. Auch im Spiel selbst ist die Handhabung oft einfacher. Zum Beispiel bei D&D: ich kann erstmal würfeln und bei einem sehr hohem oder sehr niedrigem Wurf brauch ich gleich gar nicht rechnen, ob sich das mit Fertigkeitswert und Modifikatoren ausgeht. Bei Poolsystemen muss ich immer erstmal die Größe des Pools bestimmen, also mich mit allen relevanten Spielwerten auseinandersetzen.

4. Mass Effect oder Dragon Age? Oder keins oder beide?

Weder noch. Mass Effect hab ich nie gespielt, Dragon Age fand ich eher langweilig. Zwei Computerspiele, die mich hingegen stark inspiriert fürs Rollenspiel haben sind GTA 4 und The Witcher 3. GTA hat tolle Charaktere und teilweise sehr kreative Missionen. An Witcher 3 hat mir die Darstellung des Kriegs gefallen: Frauen, die vor ihren zerstörten Häusern weinen und dass ich keine Guten oder Bösen in diesem Konflikt ausmachen konnte. Mein Highlight war der Blutige Baron, der eine geniale Achterbahnfahrt auf meiner Sympathieskala hingelegt hat. Dirk Walbrühl ging es wohl ähnlich und er hat einen sehr guten Blogartikel darüber verfasst.

5. Gab es schon mal eine Runde bei der du am liebsten aufgestanden wärst und gesagt hättest „Es reicht! Auf sowas hab ich echt keinen Bock!“? Hast du es gemacht?

Ist noch nicht vorgekommen, aber ich war schon ein paar Mal kurz davor. Zum Beispiel als der SL nachdem wir im Kampagnenfinale den Endboss besiegt hatten darauf bestanden hatte, auch noch die Kämpfe gegen die verbliebenen Adds auszuwürfeln oder als wir ein Anwesen durchsucht haben und eine ganze Session lang nichts anderes machten als jeden Raum auf Fallen, Schätze und Hinweise zu untersuchen, aber absolut nichts fanden.

6. Lieber viele Rassen (Menschen, Elfen, Zwerge, Orks, Echsenmenschen, Katzenmenschen, etc., etc.) in einem Setting, oder ausdifferenzierte Kulturen einer Rasse?

Bei Rassen gilt für mich: weniger ist mehr. Sogar störend finde ich eine Vielzahl an Rassen, wenn sie, sei es beabsichtigt oder nicht, nur als Lieferant für Stats und Boni dienen. Dazu habe ich auch schon einen Artikel verfasst. Wovon ich auch kein Fan bin: Böse Rassen, wie z.B. Orks in sehr vielen Settings. Wesen, die man nur durch ihre Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk bedenkenlos erschlagen kann, haben für mich in einem modernen Rollenspiel nichts mehr verloren. Einigen wir uns darauf, dass Böse Orks wie Vokuhilas und Neonschweißbänder halt zu den 80 gehörten und lassen wir sie dort.

7. Sei ehrlich: Wenn du dir am Spieltisch eine Szene vorstellst, sehen die SC dann aus wie beschrieben, oder wie ihre Spieler?

Jetzt wo ich drüber nachdenke fällt es mir erst auf: aber als SL kommen die Charaktere nicht in meinen Visualisierungen vor. Und wenn doch dann eher unscharf sodass ihr Gesicht nicht zu erkennen ist. Als Spieler muss ich eingestehen, dass ich die Real Life Gesichter meiner Mitspieler da immer wieder einschleichen. Deshalb vergesse ich auch schon Mal, dass ein Mitspieler Gender Swapping betreibt oder eine andere Rasse als Mensch spielt.

In einer meiner Runden spiele ich mit zwei Grafikern, die gerne Charakter Sketches für die Spieler aber auch neu auftauchende NSCs anfertigen. Das hilft schon ungemein. Danke an Zny und Stiv an dieser Stelle. Ihr seid großartig!

8. Spielt jemand in einer deiner Runden mit genderswapping? Du selbst?

Ich selbst habe Frauencharaktere bis jetzt nur in Oneshots gespielt und da waren es meist vorgefertigte Charaktere. In einer längeren Kampagne kam das für mich bis jetzt erst einmal in Frage, als ich in DSA damit geliebäugelt habe, eine Amazone zu spielen. Da ist das Geschlecht des Charakters ja vorgegeben. Bei meinen Mitspielern kommt es gelegentlich vor, dass sie auch für Kampagnen einen andersgeschlechtlichen Charakter bauen. Wahnsinnig positive Erinnerungen daran habe ich nicht. Im besten Fall vergessen es die Mitspieler einfach, im schlechtesten wird es peinlich. Wobei die Gefahr, dass es skurril wird, bei weiblichen Charakteren männlicher Spieler deutlich höher ist, als im umgekehrten Fall.

9. Benutzt du ein selbstgeschriebenes Setting, bzw. bespielst eins, dass euer SL sich erdacht hat?

In meinen Runden spielen wir keine Endloskampagnen im immer gleichen Setting. Unsere Kampagnen dauern einige Monate, danach kommt ein neuer SL mit neuem Setting und Regelwerk. Aber unter den letzten Kampagnen war auch einiges Selbstgeschriebenes. So hatte ich eine Runde, mit der ich mein eigenes Rollenspiel gezockt habe. Die Runde diente mir auch als Testgruppe für Setting und Regeln.  Zuletzt geleitet habe ich eine Space Alert Kampagne, inspiriert vom gleichnamigen Brettspiel. Dieses liefert einige Ideen, wie der Berufsalltag eines Weltraumforscher aussieht, aber wenig über die Welt, in der es spielt. Das alles kam von mir und den Spielern. Derzeit bespielen wir ein komplett eigenes Post-Apokalypse Setting. Unsere Heimatstadt, eine ehemalige Bohrinsel treibt im Meer im Kreis und triebt mit den Siedlungen und Kulturen an den Küsten Handel. Die Idee dazu war eine Kooperation von SL und Spielern und spielt sich bs jetzt sehr spannend.

10. Steigt ihr in deiner Runde gleich auf eine neu erschienene Edition um, erst mit der Zeit, oder verweigert ihr euch ganz?

Wie gesagt; wir spielen keine Endloskampagnen, daher spielen wir meist mit den aktuellen Regeln fertig. Es ist aber auch schon vorgekommen, dass wir mittendrin auf die neues Edition umgestiegen sind, wenn diese deutlich besser war als die benutzte. Leider kommt das nicht so oft vor, dass eine Neuauflage in allen Punkten besser ist als der Vorgänger.

11. Zu guter Letzt: Glückwunsch, du hast den Hauptpreis beim Gewinnspiel des Allumfassenden Rollenspielarchivs gewonnen! Du darfst dir ein Rollenspiel (nur eine Edition) aussuchen und erhältst sämtliches, jemals dazu erschienenes Material!
Welches würdest du wählen?

Schwierig. Für die Sammlung würde ich mich für D&D oder Shadowrun Erste Edition entscheiden. Wenns darum geht, möglichst viel aus diesem Angebot herauszuschlagen, irgendwas, das sehr viele Bücher umfasst, so wie Pathfinder. Wenn ich mit meinem Gewinn auch spielen möchte, dann wären es jedenfalls nicht sehr viele Bücher. Ich bin schon ein Fan davon, dass die Regeln in einem einzigen Buch zu finden sind. Weil ich vor kurzem das Grundregelbuch gekauft habe und es sehr gut fand, würde ich mich wohl für Achtung! Chtulluh entscheiden.

Und weiter geht’s

So und nun zum schwierigen Teil: meine eigenen 11 Fragen. Ich kannte den Blog-Staffellauf ja bis jetzt nur so, dass man die selben Fragen, die man bekommen hat, weiterreicht. Da dies bei diesem Blogstöckchen anscheinend anders läuft, will ich mich dem natürlich nicht verschließen.

  1. Wie hältst du es mit dem Powergaming? Wie sehr bist du selber einer? Stört es dich, wenn es deine Mitspieler machen?
  2. Es gilt einen neuen Charakter zu bauen. Unabhängig vom benutzten Regelwerk: was ist meistens dein erster Schritt? Ein Bild oder eine Skizze? Eine Vorlage aus einem Buch oder Film? Ein paar Spielwerte oder coole Kombos? Eine Rolle wie Kämpfer oder Heiler?
  3. Wer war bis jetzt dein spannendster Gegner im Rollenspiel und warum?
  4. Der nervigste NSC, dem du je begegnet bist?
  5. Was war dein größter Epic Fail als Spielleiter? Falls du noch nie gleitet hast: als Spieler!
  6.  Deine Runde beginnt eine neue Kampagne mit einem neuen Regelwerk. Es stehen zwei Character Sheets zum Download zur Verfügung: eines wurde mit Excel erstellt und enthält außer dem Logo kein einziges grafisches Element, ist aber im Aufbau sehr durchdacht und nützlich, Das Zweite ist nicht ganz so praktisch, aber dafür sehr hübsch und passend zum Setting designed. Welches nimmst du?
  7. Mit welchem Prominenten würdest du gerne mal in einer Runde spielen?
  8. Würfelapps, digitale Charactersheets, Regelbuch als .pdf und Floorplans auf dem Tablet: wieviel Computer darf es in deinem Rollenspiel sein?
  9. In  einem durchschnittlichen Fäntelalter-Setting: wie religiös sind deine Charaktere üblicherweise?
  10. Welches ist das deiner Meinung nach schlechteste Regelwerk, mit dem du je gespielt hast?
  11. Dein Boss erfährt von deinem Hobby und fragt dich, ob er oder sie mitspielen kann. Was antwortest du?

Ich nominiere dafür: Generic Hero von Quest in Peace und jeden, der Lust hat diese Fragen zu beantworten.

 

Das Beitragsbild stammt von Mark Sadowski und unterliegt einer Creative Commons Lizenz (CC BY-SA 2.0).

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