6 Charakterplots rund um die Liebe

Selbstverständlich wurden alle Verwandten von Krieger Alrik bei dem Überfall der Orks getötet. Und natürlich wird jede Bedienung in gastronomischen Unterhaltungsbetrieben jeglicher Epoche flach gelegt. Aber was Ernstes anfangen? Nee, sicher nicht!

Warum eigentlich nicht? Warum nicht mal anstatt der schnellen Nummer samt Kerbe in den Bettpfosten eine ernsthafte Beziehung spielen? Ich denke, dass viele Spieler das aus zwei Gründen vermeiden: 1. weil ihnen das Ausspielen einer Beziehung peinlich ist. Der One Night Stand ist cool, aber ein Eifersuchtsdrama hinzulegen könnte zu Gesichtsverlust bei den Mitspielern führen. Oder es ist einfach unangenehm. Besonders wenn die Spielleiterin, mit der das gespielt wird vielleicht noch die Freundin des besten Kumpels ist.

Und 2.: weil man sich damit angreifbar macht. Wenn der Charakter eine Person hat, die ihm sehr wichtig ist, ist das ein super Hebel für den Bösewicht, den Charakter das tun zu lassen, was er gerade von ihm braucht. Die Angst ist sicher nicht ganz unbegründet. Für manchen Spielleiter mag es einfach zu verlockend sein, das Subjekt der Begierde zu töten, zu entführen oder zu bedrohen um dem Spielercharakter eine „persönliche Motivation“ zu geben.

Liebe Mit-Spielleiter: tut das nicht, es ist einfach zu abgedroschen. Und ein Lebenspartner hat deutlich mehr Potenzial, als die künstliche Motivationskeule für einen schlechten Plot zu sein. Hier ein paar Beispiele:

Beziehungsarchetypen mit Storypotenzial

Die intakte Familie

Rollenspielcharaktere sind ja in den meisten Szenarien eben keine Normalbürger. Aber warum sollte man dem eigenen Charakter mal nicht einen Ehepartner, 1 Komma 4 Kinder, einen Hund ein Häuschen in der Vorstadt spendieren? Deshalb muss man ja nicht gleich die Charakterklasse Buchhalter wählen, man kann getrost seinen Spion, Söldner, Geisterjäger oder Ringträger spielen. Aber den Lieben zu Hause erzählt man, dass man Buchhalter ist.

Damit ist auch schon das erste Plotpotenzial da: das geheime Doppelleben, das man führt. Das kann schon unheimlich spannend sein: ja, der Troll mit den neonfarbenen Tattoos und dem verchromten Cyberarm ist Bob aus dem Controlling und nein, du brauchst dir keine Sorgen machen, wenn ich mit der heißen Elfe auf den Kongress in Denver fliege! Nein, der Kongress ist nicht in Chicago, da musst du dich verhört haben, Schatz! Ja, sie trägt beim Fliegen immer schwarze Latex Suits. Sie findet das bequemer als Kostüm und Stöckelschuhe.

Und jetzt kommst du von diesem „Kongress“ nicht nach drei Tagen, sondern nach drei Wochen zurück. Was erzählst du deiner Familie, wenn du nicht erzählen kannst, dass du in einem philippinischen Rebellenlager gefangen warst?

Eine Familie bedeutet aber auch Verpflichtungen. Und die können dir dein geheimes Leben ganz schön schwer machen. Kannst du die streng geheimen Computerchips so schnell aus dem Regierungsgebäude holen, dass du es rechtzeitig zum Schultheaterauftritt deiner Tochter schaffst? Was, wenn du rauskriegst, dass dein bester Unterweltkontakt deinem Sohn Drogen verkauft? Und wie machst du deinem Mann klar, dass du ihn nicht betrügst, ohne ihm zu sagen, was du wirklich nächtens tust?

Klar, du liebst deine Frau, aber du bist leider nicht der einzige: der Typ, der immer die geilsten Waffen für dich hat, findet sie auch niedlich. Und wenn du ganz ehrlich bist, sieht er besser aus als du und trainiert deutlich und sichtbar öfter als du.

Beziehungsdrama

Vielleicht warst du schon bei Kampagnenbeginn geschieden, vielleicht wollte dir dein Schatz auch einfach nur ein paar Blumen auf dein Zimmer in deinem Kongresshotel schicken und der Concierge hat ihm glaubwürdig versichert, dass in diesem Hotel niemand mit deinem Namen abgestiegen ist. Auf jeden Fall hast du aktuell keinen Partner, aber dafür einen oder eine Ex. Vielleicht ist es ja besser so, aber du trauerst ihr immer noch hinterher. Und jetzt hast du auch noch erfahren, dass ihr Neuer bei ihr eingezogen ist.

So, liebe Mit-Spielleiter: hier ist die Person, die ihr in Gefahr bringen könnt. Und der Spieler muss jetzt die Entscheidung treffen, ob er den Nebenbuhler rettet und damit dem Ex-Partner Leid erspart oder nutzt er die Gelegenheit, den Kontrahenten los zu werden.

Glaubt ihr der Spieler tendiert zu ersterem, macht es ihm schwer. Die Rettung sollte hohe Kosten haben oder die eigentliche Mission in Gefahr bringen. Glaubt ihr der Spieler würde die Chance nutzen, einen unliebsamen Rivalen los zu werden, macht ihn für seinen Schutz verantwortlich.

Auf jeden Fall sollte der oder die Ex kein Hassobjekt sein. Der Spielercharakter sollte noch etwas für seinen Ex-Partner empfinden. Oder er sollte zumindest eine wichtige Rolle im Leben des Chars spielen. Ich darf hier die Figur Maryann aus der Serie Cybill zitieren, die sich eines Tages in ihrer Beziehung zu ihrem Ex-Mann eingestehen muss: „Ich hasse einen Mann, der mich nicht mehr hasst!“.

Die Schöne und das Biest

Einer der Klassiker unter den Plots. Das hässliche Entlein hat sich in den schönen Schwan verguckt. Und der will erstmal nichts wissen von dem unansehlichen Küken. Es muss aber nicht immer die Oger – Prinzessin oder Mutant – Schönheitskönigin Konstellation sein. Unterschiedliche soziale Schichten eignen sich ganz vorzüglich dafür.  Egal ob die soziale Schicht über Adelstitel, Geldvermögen oder das Ansehen auf dem Schulhof definiert ist.

Der klassische Storybogen dieses Plots ist: die Hauptfigur verliebt sich in jemanden, der unerreichbar scheint. Das Subjekt der Begierde hat leider schon einen standesgemäßen Verehrer, dem es nicht abgeneigt ist.  Schließlich freunden sich die Schöne und das Biest an, es bleibt aber erstmal bei der Freundschaft und der standesgemäße Verehrer bleibt weiterhin die Nummer eins im Leben der Schönen. Das Biest rettet der Schönen das Leben, die Credits (und den Kuss) kriegt aber der standesgemäße Verehrer. Schließlich kommt es durch Zufall, eine Offenbarung wer wirklich der Retter war oder reichlich Alkohol zu einem ersten intimen Kontakt. Entweder ist das beiden im Nachhinein peinlich oder es kommt zu Missverständnissen, auf jeden Fall geht man sich dann erstmal eine Zeit lang aus dem Weg und schließlich, im Finale der Geschichte kommen die beiden dann doch noch zusammen.

Ja, die Story ist abgedroschen. Und sie läuft wirklich immer gleich ab. Aber das hat auch den Vorteil, dass sowohl Spieler als auch Spielleiter den Plot kennen und die Geschichte entsprechend in die richtigen Bahnen lenken können. Ich habe erst neulich wieder diesen Plot für meinen Charakter ausgewählt. Besonders gut in Erinnerung sind mir dabei die Versuche, den Charakter nach der zwischenzeitlichen Entfernung wieder aufzuheitern und später die beiden zusammenzubringen. Zum Beispiel, indem die Schöne und das Biest beide zu den Trauzeugen eines anderen Spielercharakters und seiner NSC-Braut ernannt wurden und plötzlich gemeinsam dafür verantwortlich waren, den beiden Freunden den schönsten Tag in ihrem Leben zu gestalten.

Unerreichbar und beste Freunde

Bei der Schönen und dem Biest schient das Subjekt der Begierde anfangs unerreichbar, aber alle wissen: am Ende kommen die beiden richtigen zusammen. Es gibt aber auch die geliebte Person, die wirklich unerreichbar ist. Die Traviageweihte, deren größtmöglicher Frevel es wäre, den Gemahl zu verlassen, der Bischof im Zölibat, die Ehefrau des Königs oder Mafiabosses oder eine Person, die dem Geschlecht des eigenen Charakters schlicht nicht zugeneigt ist. Oder das Gegenüber ist in einer glücklichen Beziehung und will einfach nur gute Freunde sein.

Das volle Potenzial entfaltet der Unerreichbare, wenn zwischen Verehrer und Angebetetem eine Freundschaft besteht. Die Freundschaft zwischen den beiden erlaubt so herzzerreißende Szenen wie die Angebetete bittet den heimlichen Verehrer um Beziehungsratschläge oder man kann die beiden in Versuchung bringen. Im Motel ist nur noch ein einziges Zimmer frei, für einen Beschattungsauftrag muss man das Liebespaar spielen. Vielleicht kommt es ja wie bei der Geschichte von der Schönen und dem Biest zu einem kurzen Moment der Intimität.

Und selbstverständlich weiß das Subjekt der Begierde nichts von den Gefühlen seines Verehrers. Vielleicht ist es auch gefährlich für eine der beiden, wenn das jemals rauskäme. Und genau das droht aber ein paar Mal in der Kampagne. Vielleicht verplappert sich die heimliche Verehrerin nach dem zuvielten Bier. Oder der Abenteurerkollege macht einen dummen Witz, nicht wissend, dass die Zofe der Königin diesen ebenfalls gehört hat.

Der Feind in meinem Bett

Sophie ist eine junge Frau aus gutem Haus. Alter österreichisch-ungarischer Adel. Aus Liebe zu ihrem Jugendfreund unterstützt sie im Bürgerkrieg des Ständestaates die Sozialisten gegen die Regierung und fliegt auf. Die Familienehre ist beschmutzt. Sie muss erstmal aus Wien weg und wird gegen ihren Willen mit einem aufstrebenden Mitglied der NSDAP nach Deutschland verheiratet. Ein paar Jahre später kommt sie mit ihrem Mann, dem frischgebackenen Kreisleiter von Wien Innere Stadt, zurück.

So viel zur Vorgeschichte eines Charakters in meiner aktuellen Achtung Cthulhu! Kampagne. Sophie ist angewidert von ihrem Mann und dessen politischen Ansichten und sie könnte jetzt jede Gelegenheit nutzen, um mit attraktiveren Männern fremd zu gehen oder den ungeliebten Gemahl bei der nächstbesten Gelegenheit einen Unfall erleiden lassen. Könnte sie, würde sie nicht im Auftrag des britischen Geheimdienstes die Nazis ausspionieren. Und da ist es echt praktisch, wenn sich die Parteibonzen Wiens regelmäßig im eigenen Wohnzimmer treffen und dabei reichlich Cognac und Whisky trinken.

Ob Sophies Mann politisch ein Monster ist, wird sich noch zeigen. Aber eines ist sicher: menschlich ist er kein Monster. Er weiß, dass Sophie ihn nicht liebt und hat sich damit abgefunden. Er behandelt sie respektvoll und auch, wenn er eine Affäre mit seiner Sekretärin hat, versucht er es (vergeblich) vor Sophie geheim zu halten. Um sie nicht zu kränken. Und solange sie bei den zahlreichen Empfängen und Parties an seiner Seite steht, wird er auch ihre Abenteuer- und Wanderlust hin nehmen.

Wie die Beziehung der beiden endet ist noch völlig offen. Aber ein Ausgang, der mir gefallen würde: Sophie hilft ihrem Mann, sowjetischer Gefangenschaft zu entkommen und hält ihm zum Abschied die Scheidungspapiere hin, bevor er an Bord des Dampfers Richtung Argentinien geht. Vielleicht liefert sie ihn aber auch persönlich in Nürnberg zum Kriegsverbrecherprozess ab. Aber eines ist sicher: ich werde es Sophies Spielerin schwer machen, den ungeliebten Gemahl zu hassen.

Romeo und Julia

Na toll. Da hast du endlich einen Menschen (oder Ork, Elf oder sonstwas) gefunden, den du liebst und der diese Gefühle auch erwidert. Ihr mögt euch, wir ihr seid und du musst kein Doppelleben führen, dein Partner ist Bilde, was du so als Broterwerb tust. Es gibt keine Nebenbuhler, ihr streitet nur ganz selten und versöhnt euch danach ganz schnell wieder. Das Leben könnte so schön sein, wenn es da nicht Leute gäbe, denen eure Liebe ein Dorn im Auge ist.

Die Geschichte von Romeo und Julia ist ebenfalls ein Klassiker unter den Beziehungsgeschichten. Aber in diesem Fall entstehen die Plots nicht direkt aus den Gefühlen der beiden Partner sondern aus den Reaktionen des Umfelds. In Romeo und Julia sind es zwei verfeindete Familien, die nicht zulassen wollen, dass die beiden Turteltäubchen die alten Gräben überwinden.

Das Umfeld wird versuchen, die Beziehung der beiden zu sabotieren. Vielleicht stellen sie Julia den muskelbepackten Sohn des Schmieds vor, oder sie schicken Romeo auf eine lange Reise. Vielleicht spinnen sie eine Intrige und Julia muss Romeo davon überzeugen, dass da nichts war, mit dem Beach Boy. Und der Brief, in dem Romeo seinem besten Freund schreibt, dass er die eiserne Jungfrau bald geknackt haben wird und der Kumpel ihm dann eine Kiste Bier schuldet muss als Fälschung entlarvt werden.

Aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein. Endgültig glücklich werden können Romeo und Julia nur, wenn sie den alten Streit beenden. Und dazu müssen alte Missverständnisse aufgelöst werden, einzelne Protagonisten auf die eigene Seite gezogen werden und vielleicht auch ein wenig erpresst werden. Zahlreiche Nebenquests pflastern also den Weg zum Traualtar.

In einer Variation des Themas sind es nicht die eigenen Familien,  die etwas gegen die Beziehung haben. Vielleicht sind die Liebenden auch aus verfeindeten Völkern. Und ein Partner ist im Land des jeweils anderen Anfeindungen ausgesetzt. Oder im eigenen Land wird man als Verräter beschimpft.

Ebenfalls zu den Romeo- und Julia Plots möchte ich die Verbotene Liebschaft zählen. Deren Storypotenzial kommt aus der Notwendigkeit, die Beziehung geheim zu halten: die inzestuöse Beziehung zweier Geschwister á la Jamie und Cersei, die Lieber zweier Männer im heutigen Saudi Arabien oder der Wehrmachtsoffizier und die Jüdin.

Während die meisten Beziehungsarchetypen, die ich hier aufgezählt habe eher für eine Beziehung zwischen Spielercharakter und NSC geeignet sind, funktioniert die Geschichte von Romeo und Julia am besten mit zwei Spielercharakteren, denn die Herausforderungen kommen nicht primär vom geliebten Anderen, sondern vom Umfeld und somit wieder vom Spielleiter.

Beziehungsarchetypen und Geschlechterrollen

Ich habe mich jetzt bemüht, die verschiedenen Beziehungstropen geschlechtsneutral zu formulieren. Aber um ganz ehrlich zu sein, denke ich bei den meisten Plotideen, die sich daraus ergeben an einen männlichen Charakter und einen weiblichen NSC. Für mich ist die Ex-Frau als NSC irgendwie ergiebiger als der Ex-Mann. Und ich tue mir leichter, mir eine Die Schöne und das Biest Geschichte vorzustellen, als einer mit dem Titel Der Schöne und die Biestin.

Das liegt sicher daran, dass es in anderen Medien einfach mehr Geschichten gibt, in denen der tatsächlich entstellte Mann die Schönheitskönigin bekommt, als dass der Schönling sich von einer dicken, hässlichen Frau erobern lässt. Klar gibt es Geschichten, die so beginnen, aber meist muss dann das hässliche Entlein nur die Haare öffnen und die Brille abnehmen oder ein paar Runden joggen gehen, um sich dann doch als wunderschöner Schwan zu entpuppen.

Dabei ist der Trickfilm Shrek als positives Beispiel zu nennen (Achtung Spoileralarm, aber hey, der Film ist 18 Jahre alt): nicht der Oger wird von seinem Fluch erlöst und verwandelt sich in einen Prinzen sondern Fiona wird von ihrem Menschsein erlöst und in ihre natürliche Gestalt einer Ogerin verwandelt. Während jeder, der in seinem Leben mehr als drei Filme gesehen hat wusste, dass Shrek und Fiona am Ende des Films zusammen kommen werden, hat mich die Rückverwandlung Fionas in eine Ogerin sehr überrascht. Und das durchaus positiv.

Beziehungstipps für Spielleiter

Abschließend noch ein paar Tipps für Spielleiter, denen ein Love Interest für einen ihrer Spielercharaktere präsentiert wird.

Gehe äußerst sparsam mit Verrat um!

Der NSC, der den Spielercharakter am Ende verrät oder sich als Oberbösewicht herausstellt ist abgedroschen. Egal ob der NSC die Liebschaft, die Mutter oder der beste Freund des Charakters ist. Wenn du trotzdem nicht die Finger davon lassen kannst: bring erstmal ein paar Beziehungen ohne Verrat zu Ende. Viele Spieler werden davon ausgehen, dass sie verraten werden, also wiege sie erstmal in Sicherheit. Und wenn du einmal die Verratskarte gespielt hast, überlege dir sehr gut, ob du sie ein zweites Mal einsetzt.

Bedrohe nicht das Leben des NSCs!

Wenn der Bösewicht mit dem Töten des geliebten NSCs drohen muss oder den NSC töten muss, damit der Charakter eine Motivation für deinen Plot hat, ist dein Plot vielleicht scheiße. Und du riskierst, dass dem nächsten Spielercharakter niemand so wichtig ist, dass er damit erpressbar oder manipulierbar wird. Wenn du aber das Leben des NSCs dennoch in Gefahr bringen willst, dann lass das den Spieler selbst erledigen. Ein Fehler, eine falsche Entscheidung oder ein erfolgreicher Einsatz haben gefährliche Konsequenzen für den geliebten NSC und es ist nun am Spielercharakter, diese Bedrohung wieder zu beseitigen.

Der Nebenbuhler ist nicht böse!

Erliege nicht der Versuchung, Nebenbuhler, Ex-Partner oder aktuelle Partner des Subjekts der Begierde zum Oberschurken zu machen. Wenn deine Story gut ist, wird der Spieler auch so gewillt sein, dem Bösewicht das Handwerk zu legen. Da braucht es nicht auch noch die Eifersucht dazu. Besser ist es, dem Charakter die Unterstützung dieser Person anzubieten. Der Typ der ständig deine Freundin anbrät, kennt das Passwort für das Sicherheitssystem und gegen einen kleinen Gefallen würde er es dir auch verraten. Klar kann dir deine Ex eine Einladung zum Polizeiball beschaffen, aber erst will sie eine Entschuldigung für etwas das du nicht getan hast. Auf keinen Fall sollte der Charakter einen Grund bekommen, den Nebenbuhler zu töten oder anderwertig aus dem Weg zu räumen und damit sein Beziehungsdrama aufzulösen. Aber ich bin ja generell der Meinung, dass ein Gegner nie 100% böse sein soll.

Nur keine Eile!

Storybögen wie die Schöne und das Biest oder Romeo und Julia kommen meist zu einem guten Ende. Aber erst zum Schluss. Du musst natürlich nicht bis zum Ende deiner Kampagne warten, um Romeo und Julia glücklich werden zu lassen, aber lass dir Zeit und lass die beiden Liebenden viele Steine bis dahin aus dem Weg räumen.

Beziehungen können sich ändern!

Ihr Leben war noch aufregend, als Julia sich heimlich mit ihrem Romeo treffen musste. Und als sie sie auf der Autobahn bei Tempo 140 von einem Auto ins nächste sprang um Romeo aus dieser Entführung durch die Mafia zu retten. Die Hochzeit war wie aus einem Märchen und sie gelobte, ihren Romeo für alle Tage zu lieben. Aber irgendwie ist heute der Zauber weg. Der letzte Sex liegt ein paar Wochen zurück und war wenig befriedigend. Und ausgerechnet jetzt, wo ihr Mann schon zum dritten Mal in diesem Jahr mit Sally aus der Marketingabteilung auf Dienstreise ist, tritt dieser englische Prinz in ihr Leben. Zu blöd, dass der schon verheiratet ist!

Keine Geheimnisse!

Die beste Geschichte bringt nichts, wenn sie keine Zuhörer hat. Wenn ein Spielercharakter heimlich in die Königin verliebt ist oder dem Ex-Mann nachtrauert, lass das alle Spieler wissen. So können die Mitspieler in die Liebesgeschichte miteingebunden werden und sie können eigene Inputs bringen, sowohl direkt als Handlungsvorschlag als auch indirekt durch ihre Charaktere, um die Geschichte noch spannender, herzzerreißender und dramatischer zu gestalten.

Such dir eine Heimstätte!

Für das Spiel mit der Liebe sollte das Subjekt der Begierde auch regelmäßig physisch anwesend sein. Ebenso allfällige Rivalinnen. Das ist aber schwer, wenn man von Galaxie zu Galaxie reist, oder von einem Ende der Forgotten Realms zum anderen.  Ich halte allgemein sehr viel von einer Homebase, einer Heimat der Charaktere, in der sich ein Großteil des Plots abspielt. Für Beziehungskisten gilt das umso mehr.

 Es gibt auch zu viel Liebe!

Vermeide es, dass alle deine Spieler in jeder Kampagne einen Beziehungsplot haben. Es sei denn, das ist settingimmanent wie etwa bei Monsterhearts. Aber ansonsten: ein oder zwei Beziehungskisten sind Okay, die anderen Spieler sind dann das nächste Mal dran. Andernfalls läufst du in Gefahr, dass sich die Kampagne nur noch um die Beziehungsprobleme der Charaktere dreht oder dass die einzelnen Beziehungen nicht ausreichend ausgespielt werden.

Denk auch an die Kinder!

Das sichtbarste Ergebnis einer Beziehung sind oft die Kinder, die daraus entstehen. Auch sie bieten viele Ansätze für Stories. Sie können das Bindeglied zum Ex-Partner sein, sie können sich in Schwierigkeiten bringen und ein Charakter kann sich komplett ändern, wenn er plötzlich Vater oder sie plötzlich Mutter wird. Bei weiblichen Charakteren würde ich aber vorher mit dem Spieler oder der Spielerin absprechen, ob eine Schwangerschaft des Charakters in Ordnung ist.

Gut, genug über die Liebe geschwafelt. Ich schließe mit dem Plädoyer: gebt eurem Charakter ab und zu mal eine Beziehungskiste mit und erfreut euch an den vielen kleinen oder auch großen Stories, die sich daraus ergeben. Und ich hoffe, ich konnte euch die eine oder andere Inspiration dafür mit geben. Wenn auch ihr eine tolle Liebesgeschichte im Rollenspiel erlebt habt, erzählt sie mir doch in einem Kommentar oder in einem eigenen Artikel und postet mir den Link.

Alles Liebe!

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