Begleiter in Fate Core – 2 Ansätze

Begleiter gehören zu den klassischen Tropen im Rollenspiel. Vor allem in Tierform. Druiden und Waldläufer in den d20 Systemen haben oft einen. Der Rattenfänger im Warhammer Fantasy Role Playing Game hatte noch in jeder Edition einen Kleinen, aber Gemeinen Hund. Und auch Magier oder Hexen verfügen in vielen Spielen über ein Familiar. Aber auch menschliche Begleiter sind denkbar: Köche, Knappen, Leibwächter oder Gepäcksträger sind beliebt.

Während die menschlichen Begleiter oft mehr Fluff sind, erwartet man von seinem Tierbegleiter schon mehr aktiven Beitrag zum Abenteuer. Scouten und Unterstützung im Kampf sind da die häufigsten Aufgaben der Viecher. Regeltechnisch sind sie oft problematisch: in DnD 5e sind sie bereits ab Level 2 zu schwach um im Kampf eine große Hilfe zu sein. Oder diesen überhaupt zu überleben. In Pathfinder kommt es sehr stark auf den Begleiter an. Der klassische Hund ist leider wenig brauchbar. Ganz im Gegensatz zu diversen Dinosauriern. Aber da spielt meine Immersion nicht mit. Dass mein Char in der Stadt mit seinem T-Rex rumläuft und den in der Herberge im Stall unterbringt, das passt für mich einfach nicht. Zumindest in einem Standard-Fantasy Setting. In Tomb of Annihilation würde ein Dino als Begleiter natürlich gut passen.

Zwei Begleiter – zwei Ansätze

In unserer aktuellen Western-Kampagne haben zwei der Charaktere einen Begleiter. Und die Spieler haben sehr unterschiedliche Ansätze für diese gewählt. Wir spielen nach Fate Core und im Regelbuch werden Begleiter nicht behandelt. Im Fate Toolkit gibt es Regeln dafür, aber für beide Begleiter haben uns die nicht wirklich gepasst.  Daher haben wir uns jeweils einen eigenen Ansatz für unsere Begleiter ausgedacht, die ich nun vorstellen möchte.

Der Zweit-Charakter als Extra

Begleiter als Zweitcharakter
Jospehine Bagget und ihr Sohn Jason

Josephine Bagget ist die ehemalige Gouvernante und nun Sekretärin / Haushälterin unseres Anführers, dem Industriellensohn Rick Deringer (Ja, diese Deringers!).  Mit dabei auf unserem Track in den Westen ist ihr Sohn Jason, das Produkt einer außerehelichen Beziehung mit Ricks Vater. Die Idee dahinter war: als Dame ist Josephine in vielen Situationen des Western-Genres fehl am Platz, fand Joesis Spieler. Um in diesen Situationen dennoch dabei sein zu können, entschied sich der Spieler für Jason als Zweitcharakter. Zwar ist ein Kind in den Szenen, in denen eine Dame nicht passend ist meist ebenso unpassend, aber Jason hat die Angewohnheit, öfter mal auszubüchsen und sich heimlich den Großen anzuschließen.

Im Grunde nutzt der Spieler das Fate Fraktal für Josephines Sohn. Als Extra hat der Spieler einen Punkt Refresh dafür ausgegeben. Zusätzlich ist Jason der Trouble-Aspekt von Josephine, da er meist irgendwelchen Blödsinn macht und die Gruppe oder sich selbst in Gefahr bringt. Jason hat sein eigenes Charakterblatt (siehe unten), allerdings mit weniger Fertigkeiten / Stunts und Aspekten als die vollwertigen Charaktere. Allerdings mehr als im Fate Toolkit vorgeschlagen wird. Die Fatepunkte teilt er sich mit seiner Mutter.

Im Spiel ist Jason meist ein NSC, der vom Spielleiter geführt wird, auch wenn alle Spieler oft Impulse geben, was Jason gerade anstellt. Erst wenn Josephine in einer Szene nicht dabei ist, Jason hingegen schon übernimmt der Spieler die Kontrolle. Einmal wurde er auch von einem Gastspieler geführt und ich könnte mir gut vorstellen, dass auch andere Spieler mal Jason übernehmen, wenn deren eigene Charaktere in einer längeren Szene nicht anwesend sind.

Mutter und Sohn haben jeweils ein eigenes Charakterblatt
Die Charakterblätter von Josephine und Jason Bagget.

Min-/Maxing und Begleiter

Ein Problem, das ich bei kompetenten Begleitern oft sehe: sie sind oft eine billige Methode, um die Schwächen des eigentlichen Charakters auszugleichen, oder noch extremer: ganze Fähigkeitsbereiche zu vernachlässigen um die Kernkompetenz des Charakters noch stärker zu spezialisieren und optimieren. Zum Beispiel könnte der Spieler ein er DSA-Hexe die ach so wichtige Wahrnehmung komplett links liegen zu lassen und dies stattdessen ihrer Tiervertrauten, zum Beispiel einer Eule oder einem Falken, zu überlassen. Die dadurch frei gewordenen Punkte können in die Zauber der Hexe gesteckt werden.

Im konkreten Fall sehe ich aber dieses Problem weniger, weil sich Jason meist unter der Kontrolle des Spielleiters befindet. Und da Jason auch noch der Trouble-Aspekt von Josephine ist, kann er seine Fähigkeiten auch gegen sie bzw die Gruppe einsetzen. Zudem hat der Spieler bei der Kampagnenerschaffung seine Idee, zwei Charaktere zu führen vorgestellt und sicher gestellt, dass die Mitspieler keine Probleme damit haben. Und schließlich: Jason stellt eine wertvolle Bereicherung für die Story und das Rollenspiel dar. Und das macht dieses kleine Ungleichgewicht im Balancing auf jeden Fall wett.

Ein Hund als Aspekt

Dave Chen und sein treuer Begleiter Sparky
Dave Chen und sein treuer Begleiter Sparky

Der zweite Begleiter in unserer Kampagne ist Sparky, der Hund meines chinesischen Cowboys Dave Chen. Mechanisch habe ich dabei entschieden, Sparky als einen der Aspekte von Dave zu nehmen. Dies hat sich als extrem mächtig heraus gestellt: immer wenn Sparky in einer Szene dabei ist, gibt es eine Vielzahl an Dingen, bei denen der Hund sein Herrchen unterstützen kann: natürlich kann er im Kampf helfen, er kann andere Menschen einschüchtern oder mit Hundeblick deren Herz erweichen und natürlich kann er Fährten lesen und hat eine tolle Wahrnehmung. Das ist schon ein sehr vielseitiger Aspekt!

Drei Dinge sorgen aber einigermaßen für Balance: Erst einmal hat Sparky im Gegensatz zu Jason kein eigenes Charakterblatt. Das heißt, dass Sparky eigentlich nichts kann, was Dave nicht auch kann. Wenn der deutsche Schäferhund die Fährte eines Flüchtigen aufnimmt benutzt er die Fertigkeiten Wahrnehmung oder Survival von Dave, wenn er diesen dann fassen will, würfelt er mit Daves Kampfskill. Zwar kann Sparky eigentlich für alles was er tut Daves Aspekt „Mein treuer Hund Sparky“ verwenden, aber das kostet halt Fatepunkte und davon hat man nicht unendlich viele. Was dann auch die zweite Einschränkung ist. Und: einen möglichst universell einsetzbaren Aspekt kann ich auch ohne Tierbegleiter erschaffen. Man muss den nur vage genug formulieren und ein wenig Geschick darin besitzen, den Spielleiter zu bequasseln. Und der Hund gibt rollenspielerisch und storytechnisch deutlich mehr her als so ein Gummi-Aspekt.

Und schließlich kann Sparky auch ein kleiner Troublemaker sein. Schließlich ist er ein Aspekt, den man auch reizen kann. Zwar bringt er die Gruppe deutlich seltener in Bedrängnis als der kleine Jason, aber es kommt vor. So hat er zum Beispiel in dem Gentlemen’s Club, dessen ganzer Stolz ein teurer Papagei war, plötzlich Heißhunger auf Geflügel bekommen. Mr. Deringer musste das Federvieh ersetzen und einige Wogen glätten. Beim Versuch, uns an eine Bande Flusspiraten anzuschleichen wollte Sparky besonders hilfreich sein und hat mit lautem Bellen auf die drohende Gefahr aufmerksam gemacht.

Worüber ich mir noch keine Gedanken gemacht habe: was, wenn Sparky mal einen anderen Charakter begleitet? Bis jetzt ist das noch nicht vorgekommen, aber ich will das für die Zukunft nicht ausschließen. Fate erlaubt das zeitweise Übertragen von Aspekten erstmal nicht. Man könnte die Mechanik des Unterstützens wählen. Aber hier sehe ich das Problem, dass dies keinen Fatepunkt kostet und damit sehr mächtig werden kann. Andererseits aber macht es mechanisch keinen Unterschied, ob nun Dave oder Sparky den Charakter begleiten. Für den Unterstützungswurf nutzen ohnehin beide die selben Fertigkeiten.

Fazit

Beide Varianten machen die Charaktere mächtiger. Damit sind die Ansätze sinnvoller, als Tierbegleiter in DnD 5e. Und das mit storytauglichen Kreaturen wie Hund oder Sohn. Ganz ohne Dinosaurier. Das wichtigste aber ist: Beide Begleiter machen sehr viel Spaß und bereichern das Spiel. Und das ist doch das Wichtigste im Rollenspiel.

 

2 thoughts on “Begleiter in Fate Core – 2 Ansätze

  1. Vielen Dank für die Einblicke.
    „Ganz ohne Dinosaurier.“ Kann man natürlich machen. Aber, ob es dann noch Spaß macht? 😉

    Leider sind die Bilder/Charakterbögen nicht zu sehen.
    Und mit hellgrauer Schrift auf weißem Hintergrund tue ich mich echt schwer.

    1. Danke für den Hinweis. Die Bilder sind wieder gefixt.

      Und natürlich sind Dinos cool und in der richtigen Kampagne hätte ich auch kein Problem damit. Aber halt nicht im klassischen Fäntelalter.

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