Blog-O-Quest #41: Blut und Stahl

Die Februar-Queste kommt von Gloria von Nerdgedanken und es soll um Krieger und Kämpfe gehen. Mitmachen kann jeder der mag: einfach die fünf plus ein Fragen in einem Blog, einem Forum, im Podcast oder auf dem Youtube Channel beantworten. Und damit werfen wir uns auch schon in die Schlacht!

1. Lieber strahlende Kriegerheldin oder zwielichtiger Söldner?

Schwierige Frage. Ich hab da wohl einen ganz anderen Ansatz bei der Charaktererschaffung als die Questgeberin. Ich bin in Gedanken die letzten Charaktere durchgegangen, die ich gespielt habe und da war keiner dabei, auf den die Begriffe Strahlender Krieger oder Zwielichtiger Söldner gepasst hätten. Wenn ich länger zurück denke, findet sich unter meinen Charakteren ein Paladin in Arcane Codex und ein Aztlaner Söldner in Shadowrun. Beide haben viel Spaß gemacht zu spielen. Aber meine jüngeren Chars passen nicht in dieses Schema, auch wenn einige von ihnen im Kampf ganz passabel waren.

Die Konzepte meiner Charaktere beginnen nicht damit, was der Charakter kann, sondern was und wie ich spielen will. Daraus ergibt sich dann, ob der Charakter im Kampf zu was zu gebrauchen ist, oder nicht. Aber das ist eben nur ein Aspekt, des Charakters. Und einer, der nicht so wahnsinnig oft zum Einsatz kommt. In unseren Runden wird relativ selten gekämpft. Um meinen Ansatz bei der Charakterschaffung zu beschreiben, möchte ich meinen aktuellen Charakter in der nächsten Frage vorstellen.

Wenn wir uns von den Professionen entfernen und die Frage auf strahlend vs zwielichtig reduzieren, habe ich eine leichte Tendenz zu guten Charakteren. Aber ich spiele beides gerne. Wobei auch meine zwielichtigen oder opportunistischen Charaktere ein oder zwei gute Seiten haben. Der Bruder meines Shadowrun Söldners ist an Drogen krepiert. Als das Runnerteam während einer Mission eine Kiste voll mit Drogen erbeutet hat, hat er diese vernichtet, anstatt sie zu verkaufen. Sehr gerne spiele ich „böse“, gewalttätige oder opportunistische Charaktere als kinder- oder tierlieb um ihrer dunkle Seite einen Gegenpol zu verleihen.

2. Spielst Du selbst einen Kriegercharakter? Wenn ja, stelle ihn oder sie hier doch einfach mal vor!

Dave Chen, ist ein chinesisch-stämmiger Cowboy aus Alabama in unserer Westernkampagne nach Fate Core. Und mit Cowboy meine ich Viehhirte, nicht reitender Bandit. Er ist ein passabler Nahkämpfer, speziell mit Lasso oder Bullwhip. Und seit einer durchzechten Nacht in New Orleans hat er ein Baron Samedi Tattoo auf seinem rechten Handrücken. Gelegentlich kommt es vor, dass Samedis Lippen die Lippen eines NSCs mit hoher Geschwindigkeit berühren. Samedi’s Kiss nenne ich das und ist ein Stunt, der mir bei einem Eröffnungsschlag im Faustkampf einen Bonus verleiht. Außerdem hat Dave einen treuen Hund, der regeltechnisch als Aspekt gehandhabt wird und im Nahkampf aktiviert werden kann.

Ein zuverlässiger Schütze ist mein Cowboy trotz aller Cowboyfilm-Klischees nicht. Im Ernstfall kann er zwei Aspekte aktivieren um einen Gegner doch noch zu treffen, aber Fatepunkte sind begrenzt, daher ist das eine Option für brenzlige Situationen, kein Dauerbonus für längere Shootouts.

Dave ist nicht der Mann fürs Grobe, das erledigt sein Gefährte Jack Elliott, ein Veteran aus dem Bürgerkrieg. Der ist, wenn man so will, der Krieger in unserer Gruppe. Dave hingegen kann sich in einem Kampf halten, sucht ihn aber nicht. Im Gegenteil. Auch wenn er mit den Fäusten manchmal schnell bei der Sache ist. Aber er hat noch nie einen anderen Menschen getötet und wenn es nach ihm geht, bleibt das auch so bis zu seinem Tod.

Das Konzept von Dave Chen ist also nicht der Kämpfer, sondern der Sohn eines Einwanderers, der sich persönlicher und juristischer Diskriminierung ausgesetzt sieht. Der so stolz auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft ist, in dem die Amerikaner aber immer nur den Chinesen sehen. Dieser Kampf um Anerkennung, das Suchen nach seiner Rolle in der Gesellschaft und nach einer gesicherten Zukunft ist das Konzept. Dieses Wechselbad der Gefühle, wenn er von NSCs angefeindet wird, die dann später seine Kompetenz mit dem Lasso, Karte und Kompass, dem Hammer oder dem Banjo anerkennen, ist es was mir an diesem Charakter so gefällt.

3. Pleiten, Pech und Pannen gibt es immer dann, wenn Spieler kritisch auf Würfel treffen. Teilt eure Erinnerung an den witzigsten, seltsamsten, unpraktischsten oder gefährlichsten Patzer in einer Kampfsituation!

Etwas frustrierend war der erste Kampf meine Adersiner Schwertgesellen in der unsäglichen DSA Kampagne, deren Name ich wohl verdrängt habe. Das erste Abenteuer führte uns in die Wüste Khom, weit weg von jedem kompetenten Schmied und beim ersten Feindkontakt würfelte ich einen Patzer und der Anderthalbhänder meines Schwertgesellen brach. Als Ersatzwaffe konnte ich mir bei der Charaktererschaffung nur ein normales Schwert leisten, aber der Charakter war auf den Einsatz des Anderthalbhänders optimiert. Der Spielleiter hatte Erbarmen mit mir und etwas später tauchte dann völlig unplausibel ein neuer Anderthalbhänder auf. Die Effektivität meines Chars war wieder hergestellt, aber diese offensichtliche und storytechnisch unpassende  Meistergnade war auch nicht wirklich befriedigend.

Lustiger fand ich erst jüngst eine Szene in unser Westernkampagne. Rick Derringer, beileibe kein guter Kämpfer, hat leichtfertig die Einladung zu einem Boxkampf angenommen. Die restliche Party versucht ihn so gut es geht in der wenigen verbliebenen Zeit bis zum Kampf zu coachen. Jason, der Straßenjunge aus New Orleans fordert Rick auf: zeig mal was du kannst und präsentiert ihm auffordernd seine ungeschützte Vorderseite. Rick holt aus und würfelt sensationell gut, Jason hingegen verbockt seinen Wurf auf Ausweichen und so schickt der reiche, verwöhnte Schnösel den abgebrühten und straßenkampferprobten Waisen erstmal auf die Bretter. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn und Hochmut kommt vor dem Fall!

4. Größere Schlachten verkommen im Pen’n’Paper gerne zu einer üblen Würfelorgie. Wie handhabt Ihr das Kampfgeschehen mit vielen beteiligten NPC in eurer Spielrunde und welche Elemente braucht es, damit eine Massenschlacht für Dich spannend bleibt?

Größere Schlachten kommen bei uns sehr selten vor. Und wenn doch einmal, stellt sich die Frage, ob die Spieler einen Einfluss auf den Ausgang der Schlacht haben sollen. Wenn das relevanteste Ziel für die Charaktere der Sieg ist, dann sollte das auch der Fall sein. Aber das Primärziel kann auch ein anderes sein: dass ein bestimmter NSC überlebt, dass die heilige Reliquie nicht in die Händler des Gegners fällt oder der Feind eine gewisse Zeit lang aufgehalten wird. In diesen Fällen halte ich es für legitim, dass die Charaktere keinen Einfluss auf den Ausgang der Schlacht haben.

Haben die Charaktere Einfluss darauf, wer gewinnt, dann passiert dies bei mir meist schon vor der Schlacht: Spionage, Sabotage, Diplomatie, eine flammende Rede oder Logistik. Hier können die Charaktere schon vor dem Beginn des Gemetzels die Weichen auf Sieg stellen. Gibt es einen Charakter, der viel vom ehrenhaften Zweikampf hält, dann wird halt der Klassiker ausgepackt: das Duell der Anführer, das einen Einfluss auf die Moral beider Seiten hat.

Habe ich keine Charaktere in der Gruppe, die scharf darauf sind, ihre Optimierung auf den Kampf zur Anwendung zu bringen, sehe ich auch von einzelnen Scharmützeln ab, in die die Charaktere verwickelt werden. Oder eben nur jene, die gerade Bock auf einen Kampf haben.

Auf gar keinen Fall würfle ich aber Kämpfe nach allen Regeln aus, bei denen kein Spielercharakter beteiligt ist. Und seien es noch so wenige NSCs. Eskortieren die Spieler einen Ritter in die Hauptstadt und werden unterwegs angegriffen, beschäftigt der Ritter einen oder zwei Gegner, während sich die Spieler um den Rest kümmern. Wie das Duell des Ritters ausgeht wird entweder mit einem einzelnen Wurf entschieden, hängt davon ab, wie schnell die Spieler ihre Gegner besiegen oder ich entscheide nach Storypotenzial.

 5. Kein Kriegerleben ohne Blut und Tod – was war die schlimmste Wunde oder der epischste Tod, den Du im Kampfgeschehen bisher miterlebt hast?

Ich habe schon den einen oder anderen Charaktertod miterlebt. Aber episch war kein einziger. Das waren alles dumme Unfälle oder wir haben uns im Vorhinein schon mit den falschen Leuten angelegt. Die meisten Charaktertode sind mir sehr emotionslos in Erinnerung oder mir negativen Emotionen behaftet: Frust über das benutzte Regelwerk, den verbauten Char oder den Spielstil der damals aktuellen Gruppe. Aus diesem Grund bin auch kein großer Fan von Charaktertoden. Was ich mir aber mal wünschen würde: ein Spielercharakter, der einem anderen den Gnadenstoß gibt, um ihm ein schlimmeres Schicksal zu ersparen. Oder der Scharfschütze, der den gefangengenommenen Gefährten ausknippst, um ihm die drohende Folter zu ersparen.

Schreckliche Wunden werden immer wieder mal beschrieben, wenn ein Angriff besonders viel Schaden macht. Aber nichts, das mir groß in Erinnerung geblieben ist. Und erst recht nichts, was für einen Blogartikel taugt.

Bonusfrage: Nennt eure kriegerische Lieblingsklasse (gern auch Kombiklasse) und das dazugehörige Rollenspielsystem!

Der T’Skrang Taildancer in Earthdawn. Leider nie gespielt, und sicher nicht die effektivste Kämpferklasse in Earthdawn, aber T’Skrang sind cool. Und wenn ich gelegentlich behaupte, dass Rassen im Rollenspiel unnötig sind, gilt dies nicht für T’Skrang. Weil T’Skrang sind cool.

3 thoughts on “Blog-O-Quest #41: Blut und Stahl

  1. Ich kann dir nur ganz und gar zustimmen: T’skrang sind wirklich cool!
    Und Western mit Fate klingt auch sehr nice – Fate ist ja ohnehin das System, das ich derzeit am meisten spiele, und mit Western kriegt man mich auch immer. Gibt es von dieser Runde vielleicht irgendwelche Diaries irgendwo?

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