RPG-Blog-O-Quest #057: Besondere Abenteuerformen

1.) Warst Du schon in einem Trichter? Hattest Du Spaß und was hältst Du von dem Konzept?

(Trichter? Jeder SC führt vier SC, es herrscht eine relativ hohe Sterblichkeit, wer übrig bleibt, steigt auf Stufe 1 auf, System matters bespricht den Trichter hier, welcher hauptsächlich im RPG DCC vorkommt)

Ja, ich hab mal den Trichter von DCC durchgespielt.  Ich bin jetzt kein großer Fan von dem Konzept. Unsere Gruppe verwendet vor dem Beginn einer Kampagne sehr viel Zeit damit, die Charaktere aufeinander abzustimmen. Und damit meine ich nicht, das klassische Tank, Heiler, Damage Dealer Schema oder Krieger, Magier, Kleriker und Schurke. Wir versuchen da persönliche Beziehungen, Rivalitäten, Gegenpole oder Synergien reinzubringen. Das geht natürlich nicht, wenn man vor dem Trichter gar nicht weiß, welche Charaktere dann letztendlich überbleiben. Allerdings könnte man nach dem Trichter diese Diskussion starten.

Ambivalent bin ich in der Frage, wie viel Kontrolle ein Spieler über seine Charakterwahl haben sollte. Zum einen hab ich schon sehr viel Spaß mit ausgewürfelten, gezogenen oder zugewiesenen Charakteren gehabt. Das Potenzial daran ist, dass man etwas spielt, wo man selbst nicht auf die Idee gekommen wäre. Andererseits habe ich meist schon sehr konkrete Vorstellungen, was ich in einem bestimmten Setting spielen will. So hatte ich mir mal in Shadowrun einen magischen Archäologen ausgedacht, ihn aber lange nicht gespielt, weil es in den Settings allesamt nicht um Artefakte und Archäologie gehen sollte. Und schließlich hatte ein Spielleiter ein genau solches Setting ausgerufen und ich war total happy, dass ich mein Konzept endlich auspacken konnte. Hätte der Zufall (und das ist bei DCC Funnels sehr stark der Fall) größeren Einfluss auf meinen Charakter, hätte es mir passieren können, dass ich das Konzept in der falschen Kampagne spielen hätte müssen, oder es eben nicht hätte spielen können, als es endlich in das Setting gepasst hätte.

Aber nun zu meiner Erfahrung: es war sehr gut. Mein Charakter hat mit einer Sternenkarte begonnen, sein Dayjob war Linsenschleifer und am Ende des Funnels hat er dann einen astronomisch angehauchten Magierstab bekommen – und wurde natürlich auch Magier. Ich war sehr angetan, dass sich das Thema Sternenhimmel da irgendwie durch die ganze Reise hin zu Level 1 gezogen hat und das den Charakter definierte.

2.) 1:1-Abenteuer? Schon erlebt? War es eine andere Erfahrung?

(1:1-Abenteuer gab es schon recht früh, z.B. bei AD&D 2: Abenteuer für den Paladin etc., aber auch die aktuelle D&D-Edition geht im Essential Kit auf das Thema ein.)

Kurzfristig kommt es im Spiel immer wieder mal zu 1:1 Situationen. Und zu Beginn meiner Karriere habe ich mit meinem Bruder solche Solo Dungeon Crawls gespielt, um die Zeit bis zur nächsten Gruppensitzung zu überbrücken. Aber das war allerschlechtestes Abenteuerdesign (ich war jung brauchte die Abenteuerpunkte).

Auch in der Prä-Kampagnenphase habe ich schon solos mit einzelnen Charakteren / Spielern via Voicechat gespielt. Und für ein LARP mit einem der Spieler als Prequel. Der Charakter wollte auf einem anderen Kontinent Recherche betreiben, bevor sich im schönen Mexico einfinden wollte,  wo das LARP angesiedelt war. Das als LARP aufzuziehen, für einen einzelnen Charakter wäre zu viel Aufwand gewesen, also haben wir es als Pen and Paper gespielt.

Ansonsten bin ich kein großer Fan davon. Einerseits ist mir die Konstellation ein bisschen zu intim und mir fehlen da die Inputs der anderen Spieler. Gerade als Spiele vermisse ich meinen Gegenpol, also als Bud Spencer meinen Terence Hill und umgekehrt.

3.) Rollenspiel an besonderen Orten oder besonderen Ereignissen: ein Zugabenteuer im Zug, Abenteuer auf einer Burg oder mitten im Wald – habt ihr sowas erlebt? Gibt es besonders intensive Erlebnisse? Rollenspiel zum Kindergeburtstag, zu Halloween oder als Prä-Weihnachtsrunde? Machst Du sowas, wie sind Deine Erfahrungen?

Ja, ich war als Jugendlicher mit meiner Rollenspielrunde auf einer mehrtägigen Wanderung. Wir wollten Abends im Wald, am Lagerfeuer spielen. Wir fanden die Idee super cool, tagsüber ähnlich zu reisen wie unsere Charaktere zwischen den Abenteuern. Also das Lagerfeuer haben wir dann gleich mal weggelassen, weil Waldbrandgefahr und so. Und der Rest war dann auch nicht so romantisch, wie wir uns das vorgestellt haben. Wenn man ständig die Taschenlampe anmachen muss, um einen der rund 100 Fertigkeitswerte auf dem Charakterblatt nachzulesen haut das schon mal die Stimmung zusammen. Aber letztendlich sind wir als Spieler dann an gescheiterten Ausdauer-Würfen gescheitert: eigentlich waren wir vom Wandern so erledigt, dass wir einfach nur noch schlafen wollten. Deshalb wurde auch nur am ersten Abend gezockt. Am Ziel unserer Reise haben wir uns dann in der Jugendherberge eingemietet und dann dort noch ein paar Tage sehr intensiv gespielt.

4.) Rollenspiel im „festen Format“: D&D Adventures League oder Pathfinder Society. Ein SC kann weltweit gespielt werden, immer zu den selben Regeln, immer mit unterschiedlichsten Gruppen. Hast Du sowas schon gemacht oder fändest Du das reizvoll? Hast Du vielleicht schonmal selbst eine Gilde organisiert wie Nordana (Link) oder die ADDKON (Link)? Wie steht es mit Rollenspielturnieren? Oder Multiparallelabenteuern? Habt ihr an so was schonmal teilgenommen oder würdet es gerne?

Ich hab ein paar der Shadowrun Missions geleitet, aber für meine Stammtruppe und ohne ein Missionlog auszuhändigen oder ähnliches. Mein Spielstil erfordert auch eine fixe Runde. Jede Woche mit anderen Leuten, bei einem anderen SL und in einem anderen Stil zu spielen würde da einfach nicht funktionieren.

Eines hätte ich noch, keine Ahnung ob das unter Multiparalleabenteuer fällt: In Shadowrun hatten wir mal einen Kommandoeinsatz gespielt, mit zwei Teams, jeweils mit eigenem Spielleiter und Kommunikation über Walkie Talkie (und Tarnfarbe im Gesicht, aber das nur nebenbei).

5.) Rollenspiele oder Erzählspiele ohne Spielleiter: von Western City bis hin zu Fiasko? Habt ihr hier Erfahrungen sammeln können und könnt ggf. gar einige Systeme empfehlen?

Begonnen hat es mit Fiasko. Nachdem ich die geniale Runde bei Wil Wheatons TableTop gesehen habe, wollte ich das ausprobieren. Und es war großartig. Es folgten dann auch noch viele weitere Runden, von denen die meisten echt unterhaltsam waren. Es waren aber auch ein paar sehr langweilige dabei. Ebenfalls sehr positiv in Erinnerung geblieben ist mir eine Runde The Marquis of Ferrara. Auch 10 Candles oder Dread habe ich schon gespielt, aber die haben beide einen Spielleiter. Dread hat dabei sehr gut funktioniert, bei 10 Candles bin ich so gar nicht rein gekommen, aber Horror ist auch so überhaupt nicht mein Genre.

Ganz allgemein finde ich aber, dass die Erzählspiele und klassische Rollenspiele – auch wenn ich da zu eher storylastigen Regelwerken wie Fate Core tendiere – zwei sehr unterschiedliche Dinge sind. Das eine wird nie ein adäquater Ersatz für das andere sein.

BonusQuest: Kennt ihr noch weitere „Sonderformen“ von RSPs?

Würde da noch Brettspiel RPG Crossover nennen. Ich bin ja der Meinung, dass Dungeoncrawling mit Battlemaps nicht sehr weit weg von Heroquest oder Descent ist. Aber ich habe schon einige Male Elemente von Brettspiel in meine Kampagne eingebaut. Zum Beispiel in unserer SciFi Kampagne habe ich die Spieler für die Abschlussprüfung an der Akademie eine Mission in Space Alert spielen lassen. Die dabei erzielten Punkte gingen auch in die Abschlussnote ein und waren in den Personalakten der Charaktere (die sie später in der Kampagne in die Finger bekommen haben) vermerkt. Bei meiner Tropico Kampagne habe ich den Spielplan und die Putschregeln von Junta genutzt, um den unausweichlichen Militärputsch abzuhandeln. Über beide Crossovers habe ich in meinem Artikel über Brettspiele als Kampagnenidee sowie im Rahmen einer Blog-O-Quest zum Thema Rollenbrettspiel geschrieben.

Als weitere Sonderform würde ich dann noch Konstellationen nennen, bei denen keine 1:1 Beziehung zwischen Spielern und Charakteren bestehen. Also Spiele, in denen die Gruppe einen Charakter gemeinsam steuert oder in denen ein Spieler mehrere Charaktere führt. Bis auf den Funnel ei DCC habe ich da aber keinerlei Erfahrungen.

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Blog-O-Quest, die in diesem Monat von Greifenklaue organisiert wird. Wenn auch du mitmachen willst, kopiere dir dir Fragen von mir oder Greifenklaue und beantworte sie auf deinem Blog, deinem Youtube-Kanal, in einem Forum oder wo auch immer du möchtest. Poste anschließend einen Link unter Greifenklaues Beitrag. Und gerne auch hier.

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