RPG Blog-O-Quest #32 – Dafür liebe ich meine (Mit-)Spieler!

Der Blechpirat gibt im Mai die Fragen für die Blogger-Queste vor und es geht um die lieben Mitspieler. Da ich ganz besonders liebe Mitspieler habe, mache ich da natürlich gerne mit. Wer das ebenfalls tun will: die Anleitung spare ich mir diesmal und verlinke stattdessen direkt auf den Eröffnungspost der Queste.

1. Man hat ja oft eine Vorstellung davon, wie eine Szene ablaufen könnte. Spieler sind legendär dafür, oft völlig unerwartete Wege zu finden. Was war für dich die tollste Abweichung?

Als Spielleiter improvisiere ich sehr viel. Ich überlege mir kaum Lösungsansätze, von daher ist auch eine Spielerentscheidung keine Abweichung vom großen Plan. Als Spieler habe ich aber mal den wohl kürzesten (erfolgreichen) Shadowrun der Geschichte miterlebt: Wir bekamen von Mr. Johnson den Aufrag, Kunstwerke die von Vancouver nach San Francisco mit dem Zug unterwegs waren zu extrahieren. Mr J lieferte auch eine genaue Route. Bezahlt würden wir nach Anzahl der Kunstwerke werden und mein Face konnte auch noch einen Bonus herausverhandeln, für den Fall, dass wir die Lieferung komplett liefern. Der Spielleiter hat sich wohl erwartet, dass wir wie die Indianer im Western den fahrenden Zug überfallen.

Jetzt bestand das Team aber aus Magier, Hacker und Face. Kein dezidierte Kämpfercharakter. Also haben wir einen Container mit Bauschutt günstig erworben, diesen von Seattle nach Portland verschickt, mit dem selben Zug, mit dem auch die Kunstwerke unterwegs waren und unser Hacker hat dann einfach die Frachtpapiere der beiden Container ausgetauscht. Unsere Runner haben dann in Portland einfach „unseren“ Container vom Bahnhof abgeholt. Die Sache war in ca. 15 Minuten erledigt.

Hut ab vor dem SL, der zwar eine für die Spielercharaktere ungeeignete Idee hatte und die Möglichkeiten eines Hackers nicht ganz realisiert hatte, aber die Größe besaß unsere Abkürzung durchgehen zu lassen. Er hätte uns ja zumindest beim Abholen des Containers noch überfallen können oder so was. Aber nein: unser Plan hat geklappt und wir waren total stolz auf uns.

2. Huch, grober Fehler: Regel falsch angewendet, keine Idee, wie es weitergeht, Blackout, Liebeskummer – wie hat dein (Mit-)Spieler die Situation gerettet?

Neulich in unserer Western-Kampagne: der Spielleiter ist gesundheitlich angeschlagen und beruflich im Stress und kommt nicht dazu, die Abende vorzubereiten. Er kommt zum Spieleabend und klagt dem Gastgeber sein Leid, und dieser bietet seine Hilfe an. Es beginnt der eigentliche Kampagnen-SL, leitet aber nur die erste Szene, wie wir in den Zug Richtung Denver einsteigen, als plötzlich der Gastgeber erst die Rolle des Zugführers („Alles Einsteigen! Zug fährt ab!“) und schließlich die des SLs übernimmt. Kurz waren die anderen Spieler etwas irritiert, aber sofort waren unsere Gedanken bei den sehr unfreundlichen Pinkerton Detektiven, die unseren Zug begleiteten. An dieser Stelle noch mal Danke fürs Einspringen, war eine tolle Episode! Solche Mitspieler muss man einfach lieben!

3. Ganz abstrakt: Wer sitzt an deinem Tisch? Taktiker oder Dramaqueen, Rechtsanwältin oder Grafikdesigner, Vater oder Tochter – keine Namen sondern Typen.

All meinen Runden ist gemein, dass immer mindestens zwei IT Fuzzis dabei sind. Wobei einer von denen ich bin. Ansonsten ist alles dabei oder wenigstens dabei gewesen: Lehrer, Rechtspflegerin, Callcenter Agent, Rettungssanitäter, Einkäufer, Grafiker, Masseur, Komponistin, Horterzieher und noch einiges mehr. Und natürlich immer wieder Studenten. Auf jeden Fall alles Erwachsene (zumindest am Papier ;-))

Vom Spielstil habe ich eine fixe Runde, die besonders heterogen ist: Hier treffen sich der König der Powergamer, der Erzählonkel, der Casual Gamer und ein paar Schattierungen dazwischen. Dementsprechend ist auch der Wissensstand um das Regelwerk sehr unterschiedlich am Tisch. Von Kennt mindestens zwanzig Systeme samt aller Zusatzbücher fast auswendig bis Liest aus Prinzip keine Regelbücher und lässt sich den Charakter von einem Mitspieler bauen. In eine solche Runde würde ich heute nicht mehr einsteigen, aber ich mag die Leute und schließlich ist der Abend ja auch ein soziales Event, wo wir vor dem Spielen mal Abendessen und uns die Erlebnisse der letzten Woche erzählen.

4. Auch abseits des Spieltisches sind Spieler Menschen und oft auch Freunde. Was hat dich im echten Leben am meisten an den Mitspielern beeindruckt?

Puhh… so wirklich beeindruckt? Fällt mir nichts ein. Aber wenn jemand etwas mit Hingabe macht, was ich selber nicht kann, habe ich das schon Respekt dafür. Ob das nun das Absolvieren eines Marathons, oder das Nachstellen einer Szene aus einem legendären Pornofilm mittels Lego Stop Motion. Am meisten beeindrucken mich aber die beiden Grafiker in einer meiner Runden. Ich selbst bin da komplett untalentiert und bewundere, was die beiden da beruflich und privat produzieren. In unserer gemeinsamen Spielerunde hat das auch den Vorteil, dass nur kurze Zeit, nachdem ein NSC eingeführt wird, dieser auch schon gezeichnet ist. Eine Kostprobe folgt als Antwort auf die nächste Frage!

5. Welche Aktion deiner (Mit-)Spieler am Tisch ist für dich die großartigste, unvergesslichste, bereicherndste, albernste, unerwarteste gewesen, die du je erlebt hast?

In unserer Westernkampagne waren unsere Charaktere auf einem Dampfschiff unterwegs von New Orleans nach St.Louis. Schon zu Beginn der Reise hörten wir Gerüchte über einen Haufen ehemaliger konföderierter Soldaten, die die Niederlage im Bürgerkrieg nicht überwunden hatten und nun im Untergrund weiter kämpften. Wie es der Plot so wollte, war ihr Plan, unseren schönen Raddampfer, die Naichez III zu überfallen und zu versenken, waren doch Yankees, Liberale und Migranten an Bord. Wir konnten diesen Terroranschlag natürlich vereiteln und die Bande dem Sheriff von Memphis übergeben. Die Tennessee Post berichtete darüber und fotografierte die Helden und ihrer Begleiter.

Bis dahin spielte sich noch alles in unserem Kopf ab. Doch dann zog der Spielleiter, einer jener Grafiker aus Frage 4, ein Stück Papier aus seiner Mappe und legte es auf den Tisch: er hatte das Foto, dessen Anfertigung er uns erzählte zuvor gemalt und auf Fotopapier ausgedruckt. Jetzt bin ich es schon gewohnt, dass Spieler- und Nichtspielercharaktere und teilweise auch Ausrüstung und Locations von unseren Künstlern gezeichnet werden, aber diese Foto-Szene mit der anschließenden Vorlage des „fertigen Fotos“ – da war ich echt baff!

Die Reisegesellschaft von New Orleans nach St Louis in unserer Western Kampagne fotografiert von der Missouri Post.

Die Reisegesellschaft von New Orleans nach St Louis in unserer Western Kampagne fotografiert von der Tennessee Post.

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